Friedensdienst beeindruckt

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, heißt es. Daniela Greiler, ehemalige Auszubildende und Ausbildungsbotschafterin bei der Firma Wildigarten, hat jede Menge Erfahrungen auf ihrer zweiwöchigen USA-Reise gesammelt.Sie durfte als Dankeschön für ihr Engagement als Auszubildende an einem sozialen Projekt der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) mitarbeiten. Wildigarten ist seit drei Jahren Mitglied bei der "Initiative für Ausbildung" und gehört somit zu den bundesweit 64 Ausbildungsbetrieben im Garten- und Landschaftsbau, die sich auf die Fahne geschrieben haben, ihren Azubis und späteren Facharbeitern nicht nur eine fundierte Ausbildung, sondern auch unvergessliche Erlebnisse zu ermöglichen.

Zu diesen gehört für Daniela Greiler die von ASF angebotene und von ihrem Chef Dietmar Wildi ermöglichte USA-Reise, bei der die Mitarbeit an einem sozialen Projekt in das Programm einbezogen war. Bundesweit nahmen sechs Landschaftsgärtner und Azubis an dem ASF-Programm teil. Den ersten Abend in den USA verbrachten alle sechs Jugendlichen mit einigen ASF-Freiwilligen und übernachteten in einem Hostel (Herberge) in Camden. Die Industrie- und Hafenstadt am Delaware River in New Jersey ist aufgrund des Strukturwandels zu einer der ärmsten Städte in den USA geworden. Der Drogenhandel wird von verschiedenen Gangs gesteuert, viele Einwohner leben unter der Armutsgrenze. "Unsere Ankunft war richtig aufregend, denn wir wurden sofort von der Polizei angehalten, die wissen wollte, was wir in diesem Viertel suchen", berichtet Daniela Greiler.

Tags darauf gab es eine Stadtführung in Philadelphia (Pennsylvania). Begeistert war die junge Frau von der Aufgeschlossenheit der Amerikaner: "Die sprechen einen einfach an und fragen, ob sie helfen können, wenn man ratlos mit dem Stadtplan dasteht. Das würde einem in Deutschland kaum passieren."

Am Anfang der ersten Woche standen die Erkundung Philadelphias, der Besuch des Nationalen Museums zur amerikanisch-jüdischen Geschichte sowie Informationen zu den Arbeitsstätten der Jugendlichen auf dem Programm. Am Ende der Woche gab es eine Führung durch Washington, D. C. und die Brookside Gärten.

Politik und Gesellschaft in den USA sowie die damit verbundenen sozialen Probleme wurden am Beispiel Baltimores analysiert. "Die Armut und die Gewaltbereitschaft haben mich tief beeindruckt", erzählt die 24-Jährige, deren Einsatzstelle das Holocaust Museum in Washington, D. C. war. Ihre Aufgabe bestand im Katalogisieren von Namenslisten aus Mediadateien, etwa aus dem Ghetto von Lodz. "Durch meine erste Ausbildung zur Steuerfachangestellten fiel mir diese relativ monotone Computerarbeit leicht. Trotzdem war es etwas völlig anderes, als draußen im Grünen zu arbeiten und mit den eigenen Händen einen Garten entstehen zu lassen. Aber nur durch diese Vorarbeit schaffen es die Hinterbliebenen und Besucher des Museums noch heute, etwas über das Schicksal ihrer Verwandten zu erfahren. Ich hatte auch Zeit, mir das Museum und seine Sonderausstellung zum Thema der Kollaboration und Mitschuld der Gesellschaft im NS-System anzusehen", berichtet Greiler.

Neben der Arbeit in den sozialen Einrichtungen erlebten die sechs Landschaftsgärtner einen afroamerikanischen Gottesdienst und einen Sabbatgottesdienst in einer Reformsynagoge. "Den afroamerikanischen Gottesdienst fand ich wahnsinnig cool, da wurde gesungen und getanzt, auch Gospelsänger waren da, und es lief völlig anders ab als bei uns", erinnert sich Greiler, die diese Auslandserfahrung nicht mehr missen möchte. "Wir Deutschen sind schnell gestresst, die Amerikaner sehen vieles lockerer, auch die lange Schlange im Supermarkt. Das hat mir gefallen."